Mit dem Jahr 2022 begann für die Musikkapelle Walten ein besonderer Abschnitt ihrer Vereinsgeschichte. 70 Jahre nach ihrer Gründung konnte die Kapelle am 16. und 17. Juli ihr Bestandsjubiläum unter dem Motto „Feiern mit Freunden“ begehen. Nach den von der Corona-Pandemie geprägten Jahren war das Jubiläumsfest ein umso schöneres Zeichen für Gemeinschaft und Zusammenhalt. Auch musikalisch bedeutete 2022 eine Rückkehr zur Normalität. Nach zwei pandemiebedingten Absagen fand erstmals seit 2019 wieder das traditionelle Pfingstkonzert statt. Gleichzeitig ging damit eine langjährige Tradition zu Ende: Nach 35 Jahren wurde das Jahreshauptkonzert zum letzten Mal am Pfingstsonntag abgehalten. 2023 brachte musikalisch einige Neuerungen. Das bereits für 2020 geplante Kirchenkonzert konnte im Februar unter dem Motto „O magnum mysterium“ endlich nachgeholt werden. Am 6. Mai fand erstmals das neu terminierte Frühjahrskonzert statt. Dabei erklangen mit der „NiJu-Polka“ von Kapellmeister Christian Gamper und „Frozen River“ von Julian Augscheller gleich zwei Kompositionen aus den eigenen Reihen. „Frozen River“ wurde an diesem Abend uraufgeführt und erstmals wirkten dabei auch mehrere Streicher bei einem Konzert der Musikkapelle Walten mit. Auch in der Jugendarbeit wurde 2023 eine neue Tradition begründet: Erstmals umrahmten die Jungmusikantinnen und Jungmusikanten im September die Gipfelmesse auf der Flecknerspitze und übernahmen im Dezember die musikalische Gestaltung einer Rorate. Beide Auftritte haben sich seither bewährt und sind zu wiederkehrenden Fixpunkten im Jahresprogramm der Jungmusikanten geworden.
Das Jahr 2023 sollte jedoch vor allem durch einen schweren Verlust in Erinnerung bleiben. Im November verstarb der langjährige Obmann Andreas Augscheller. Mehr als drei Jahrzehnte hatte er an der Spitze des Vereins gestanden und die Entwicklung der Musikkapelle entscheidend mitgeprägt. Sein Tod hinterließ eine große Lücke – nicht nur in der Vereinsführung, sondern vor allem in der Gemeinschaft der Musikkapelle. Mit Anton Augscheller, der Mitte Dezember 2023 das Amt des Obmanns übernahm, begann ein neuer Abschnitt. Gemeinsam mit den Kapellmeistern Christian Gamper und Adolf Augscheller sowie dem Vorstand und allen Musikantinnen und Musikanten wurde die Arbeit im Sinne von Andreas weitergeführt. Auch 2024 stand im Zeichen von Kontinuität und Aufbruch. Aufgrund der Sanierung des Vereinshauses in St. Leonhard fand das Frühjahrskonzert erstmals im Vereinssaal von Moos statt. Gleichzeitig wurde die Zusammenarbeit der Passeirer Musikkapellen weiter intensiviert. Gemeinsame Marschproben, Auftritte als Talschaftskapelle und insbesondere das Projekt „Passeirer Blasorchester“ zeigten den starken Zusammenhalt der Musikkapellen im Tal. Erfreulich war zudem der Zuwachs in den eigenen Reihen. Junggebliebene und junge Musikanten fanden ebenso ihren Platz in der Kapelle wie ehemalige Mitglieder, die nach mehreren Jahren wieder zur Waltner Musig zurückkehrten.
2025 setzte sich diese positive Entwicklung fort. Mit insgesamt 48 Mitgliedern blieb die Musikkapelle ein wichtiger Bestandteil des Waltner Dorflebens. Rund jeder siebte Einwohner von Walten war damit aktives Mitglied der Kapelle. Besonders erfreulich entwickelte sich die Jugendarbeit. Zahlreiche Nachwuchsmusikanten befanden sich in Ausbildung, während junge Mitglieder beachtliche Erfolge erzielten. Johanna Augscheller absolvierte das Jungmusikerleistungsabzeichen in Gold mit sehr gutem Erfolg, Sarah Augscheller bestand die Stabführerprüfung mit ausgezeichnetem Erfolg. Auch die Marketenderinnen erhielten mit Judith Verdorfer Haller Verstärkung. Musikalischer Höhepunkt des Frühjahrs war das Jahreshauptkonzert, das erstmals im neuen Vereinshaus von St. Leonhard stattfand. Unter der Leitung von Christian Gamper widmete sich die Musikkapelle mit einem anspruchsvollen Programm dem Thema „Krieg“. Einen weiteren besonderen Auftritt stellte die musikalische Gestaltung der Messfeier beim Bezirksmusikfest in St. Martin dar. Im Herbst konnte nach fünfjähriger Pause wieder ein Egerländerkonzert veranstaltet werden. Unter der Leitung von Adolf Augscheller erklangen klassische Egerländer Melodien. Einen besonderen Akzent setzten Adolf und Sarah Augscheller mit gemeinsamen Gesangseinlagen. Das Konzert erinnerte zugleich an Ernst Mosch, den Gründer der Original Egerländer Musikanten, der 2025 seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte.
Neben den großen Konzerten blieb die Kapelle ihren traditionellen Aufgaben im Dorf und im Tal verbunden. Kirchliche Feiern, Prozessionen, Sommerkonzerte und Auftritte der Waltner Böhmischen gehörten ebenso zum Musikjahr wie die Teilnahme am Festumzug der Andreas-Hofer-Feier beim Sandwirt. Die Böhmische stellte sich zudem beim Wettbewerb „Echt Böhmisch“ in Pichl/Gsies einem musikalischen Vergleich. Auch die Zusammenarbeit über die eigene Kapelle hinaus blieb ein wichtiger Bestandteil des Vereinslebens. Die Verbindung zu den anderen Passeirer Musikkapellen wurde weiter gepflegt, ebenso die langjährige Freundschaft mit der Partnerkapelle Ramsau. Eine gemeinsame Wanderung der Obleute und Kapellmeister der Passeirer Kapellen sowie gemeinsame musikalische Unternehmungen unterstrichen diesen Zusammenhalt. So stehen die Jahre seit dem 70-jährigen Jubiläum für Tradition und Veränderung gleichermaßen. Auf die Rückkehr zu einem geregelten Vereinsleben nach der Pandemie folgten musikalische Neuerungen und ein Generationenwechsel, aber auch einer der schwersten Verluste der jüngeren Vereinsgeschichte. Zugleich zeigen eine lebendige Nachwuchsarbeit, neue Mitglieder und die Weitergabe von Verantwortung an die nächste Generation, dass die Musikkapelle Walten ihren Weg weitergeht. Was sie seit ihrer Gründung auszeichnet, bleibt dabei bestehen: die Freude an der Musik, die Kameradschaft, die Verbundenheit mit Walten und der gemeinsame Einsatz für eine lebendige Zukunft der Musikkapelle.